Ein Lkw-Brand in einem Tunnel bringt besondere Herausforderungen für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei mit sich. Auf Einladung des Staatlichen Bauamts Passau probten rund 150 Einsatzkräfte am Montagabend bei einer großen Einsatzübung im Riedbergtunnel den Ernstfall.

Mitten im Tunnel, so die Annahme, war der Anhänger eines Lkw in Brand geraten. Im dichten Rauch hatten sich weitere Unfälle ereignet, verletzte Menschen irrten in Panik durch die Röhre. Die Organisatoren erschwerten dieses Szenario bewusst, indem sie die Lüfter außer Betrieb nahmen, um eine möglichst realistische Verrauchung zu erzeugen.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei Zwiesel hatten dafür Nebelmaschinen aufgebaut. Im vollständig verrauchten Tunnel war bald nichts mehr zu erkennen. Mehrere „verletzte“ Personen versuchten, über den Rettungsstollen oder das Treppenhaus ins Freie zu gelangen. Die Darsteller spielten ihre Rollen gut, machten mit lauten Hilfeschreien auf sich aufmerksam. Insgesamt waren 22 hilfsbedürftige Personen zu versorgen – eine logistische Herausforderung für den Rettungsdienst.

Vier Erkundungstrupps gingen gleichzeitig von verschiedenen Seiten vor, um den Brandherd zu lokalisieren. Parallel dazu bauten Löschtrupps von drei Seiten eine Wasserversorgung auf. „Gerade bei Tunnelbränden ist es entscheidend, schnell zum Feuer vorzudringen“, betonte Regens 1. Kommandant Christian Werner. Angesichts der starken Verrauchung erwiesen sich diese Aufgaben als äußerst anspruchsvoll.

Erst mit dem Einschalten der Lüftung verbesserte sich die Situation deutlich. „Normalerweise gibt es eine Grundströmung, doch an diesem Abend war es windstill – die Verrauchung war wirklich extrem“, erklärte Übungsbeobachter Richard Schaaf, der als Tunnelsicherheitsbeauftragter für die Tunnel in Süd- und Südostbayern zuständig ist. Ihm war es wichtig, den Einsatzkräften ein möglichst realistisches Szenario bieten zu können, was dank der Nebelmaschinen gut gelungen war.

Dabei habe sich eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig die regelmäßige Wartung der Sicherheitstechnik ist. „Ohne funktionierende Lüfter würde sich der Rauch im Tunnel stauen – mit erheblichen Gefahren für Verkehrsteilnehmer und Einsatzkräfte“, hoben Bernd Kufner und Barbara Perkovic vom Tunnelmanagement am Staatlichen Bauamt Passau hervor.

Die Führungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst zogen am Ende ein positives Fazit. „Es ist selten, dass ein Tunnel für Übungen komplett gesperrt werden kann. Solche Gelegenheiten müssen wir nutzen. Natürlich gibt es immer Verbesserungspotenzial – genau dafür sind Übungen da“, sagte Kreisbrandrat Hermann Keilhofer. Im nächsten Schritt müsse nun ein Sonderalarmplan für den Tunnel erarbeitet werden, kündigte Kreisbrandmeister Martin Sterl an: „Der hohe Bedarf an Atemschutzgeräteträgern kann von einzelnen Feuerwehren nicht allein gedeckt werden. Hier ist die überörtliche Zusammenarbeit unerlässlich.“

Besonders wichtig seien eine strukturierte Erkundung und die Kenntnis der Infrastruktur, darin waren sich Kommandant Christian Werner und sein Stellvertreter Peter Stoiber einig. Im Ernstfall spiele auch die Organisation der Einsatzstelle eine zentrale Rolle. „Eine sinnvolle Einteilung der Bereitstellungsräume ist entscheidend, damit alle Kräfte effizient arbeiten können“, so Werner. Dies werde eng mit dem Bayerischen Roten Kreuz abgestimmt, dessen Kreisgeschäftsführer Franz Lobmeier die Übung aus Sicht des Rettungsdienstes als sehr wertvoll erachtete: „Ein Tunnel ist eine besondere Einsatzstelle, weil man keinen Zugang vernachlässigen darf und die Kräfte gezielt verteilen muss.“ Kreisbereitschaftsleiterin Bianca Schiller hob die Bedeutung einer guten Zusammenarbeit hervor: „Die Evakuierung eines solchen Objekts ist äußerst anspruchsvoll – solche Übungen stärken das Zusammenspiel aller Beteiligten.“

An der Einsatzübung beteiligten sich rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren Regen, Weißenstein, Oberneumais, Bärndorf, Schweinhütt und March, 45 Einsatzkräfte des Rettungsdienstes sowie Vertreter der Polizeiinspektion Regen.